Eiler Larsen, ein gebürtiger Däne, stand Tag für Tag an der Straßenecke in dem kleinen Küstenort Laguna Beach. Er tat dort nichts besonderes. Er stand einfach da und grüßte die Leute. Jeden Tag. 33 Jahre lang. Er wurde zum Botschafter der kleinen Gemeinde. Denn er sagte: "Klar halten mich alle für verrückt. Aber die Menschen kommen hierher, müde und angespannt vom Verkehr. Wenn Sie mich sehen, verlassen sie die Stadt mit einem Lächeln". Ist das nicht schön? Die Stadtväter haben reagiert und Eiler Larsen, dem "Grüßer" (Greeter) ein Denkmal gesetzt. Heute gibt es an der Stelle, an der Eiler Larsen einst winkte, ein lebensgroßes Denkmal und die Greeters Corner. Jeder, der die Geschichte liest, hat bestimmt so wie ich, ein Lächeln auf den Lippen, wenn er weiter geht.

Tatsächlich waren wir auf Exkursion, um zu sehen, was die amerikanischen Marketingleute und Spezialisten für kleine Städte so machen, dabei ist uns diese wundervolle Geschichte über den Weg gelaufen. Die Themen, mit denen sich Stadtmarketing-Spezialisten dort beschäftigen, gleichen denen in Deutschland und der Mut, ein kleinstädtisches Original zu einem Alleinstellungsmerkmal zu machen, ist aus meiner Sicht, genau richtig. Immer mehr rückt der Lokalpatriotismus in den Vordergrund der Marketingaktivitäten. Es geht um Fokussierung, um das Besondere!

Wir machen es uns in Südbrandenburg gemütlich. In Dänemark und anderen trendigen Orten macht man Hygge. Hygge ist sowas, wie eingemummelt in eine farblich passende Decke auf einer stylischen Couch sitzen und dazu Bio-Tee zu trinken, der aus selbst gesammelten Kräutern hergestellt ist. Dazu spricht man mit Freunden und der Familie über dies und das. Das dänische Hygge ist nicht zu übersetzen, es ist so etwas wie Gesellmütlich oder so, also eine Mischung aus gesellig und gemütlich. Achso, und die Füße stecken in dicken Socken. Selbst gestrickt. Vielleicht knabbert man dazu selbst getrocknete Apfelchips. Aber mal abgesehen davon: Hygge ist doch nicht neu. Auch in Deutschland hat man sich ins Innere zurückgezogen, wenn es draußen stürmt und schneit. Vielleicht sind da Socken und Decke nicht so stylisch und möglicherweise nicht ganz Bio. Der Trend jedoch, gemeinsam Hygge zu genießen - das ist vielleicht ein Ansatz, bestimmte Hotel- oder auch Camping-Arrangements zu organisieren. Ich jedenfalls mag Hygge, auch wenn ich es meistens “lass es uns gemütlich machen”, nenne.  

Immerhin: Das erste Hygge-Hotel gibt es schon in Deutschland: http://www.hotelundtechnik.de/deutschlands-erstes-hygge-hotel-kommt-nach-berlin/150/20004/354616

Habt ihr es schon ausprobiert?

Alle Kommunen wollen Gäste. Mehr Gäste, touristischer Hotspot sein. Ist das so? Ich denke ja, jedenfalls erscheint die Steigerung der Attraktivität für die Gäste sehr oft auf den vorderen Rängen der Zielplanung. Bevor jedoch ein Marketingkonzept entsteht oder günstigstenfalls gemeinsam erarbeitet wird, möchte ich eine grundsätzliche Frage klären. Städte sind in erster Linie dazu da, ihren Bewohnern ein angenehmes und sicheres Leben zu ermöglichen. Das ist kommunale Aufgabe. Müllabfuhr, ÖPNV, Grünanlagenpflege, Kinderbetreuung und viele Aufgaben mehr sind da zu bewältigen. Der Wunsch, touristisch attraktiv zu sein und von möglichst vielen Gästen besucht zu werden, ist verständlich. Für mich als leidenschaftliche Stadtmarketing-Frau noch viel mehr. Aber dennoch frage ich stets zuerst: Wenn wir alle Prozesse strategisch richtig angehen und die Stadt als Tourismusmagnet aufbauen können, was ist dann? Steigert der Besuch der Gäste die Lebensqualität der „Ureinwohner“? Bringt der Tourismus den gewünschten Effekt? Falls nicht, wird es ein Fiasko. Denn dann werden die Gäste, egal, wie viel Geld sie in der Stadt lassen, als Störenfriede gesehen und massiv ignoriert – oder schlimmstenfalls bekämpft, wie jetzt in Südeuropa teilweise extrem zu beobachten.

https://www.welt.de/reise/article167309889/Geht-nach-Hause-Spanier-verlieren-Geduld-mit-Touristen.html

Daher bitte ich immer zuerst um eine ehrliche Eigenanalyse: Sind die zu erwartenden Effekte durch Touristen so, dass die Lebensqualität der Einwohner mindestens gleich bleibt?

Klein-Städtisches Vielerlei

 

 500 g Alleinstellungsmerkmal
 6 TL Information in allen Medien
 2 Social Media Kanäle
 1 informative Webseite
 7 St. Sehenswürdigkeit mit gästefreundlichen Öffnungszeiten (Museen, Kirche,
vergessene Plätze, Skulpturen)
3 Prisen Stolz der Bewohner und Geschäftsleute
  Etwas Wegweiser / Stadtführer

 

Das Gefäß bis oben hin mit geöffneten Cafés, Restaurants, Eisdielen und belebten öffentlichen Plätzen auffüllen

Die Urlaubszeit ist auch die Zeit der Entdeckungen. Ich habe beispielsweise entdeckt, dass Wiener Schnitzel zwar aus Kalb, aber in Wiener Restaurants auch durchaus vom Schwein kommen kann. Das steht dann dabei, hat aber mein (Vor)-Urteil ins Wanken gebracht. Mein (Vor-)Urteil bestätigt hat hingegen der keifende Gast, der den armen Wiener Ober im Kaffeehaus so richtig anmaunzte, weil sein Gedeck nicht ganz korrekt stand. Das hat mein Klischee bestätigt. Ebenso wie die Tatsache, dass man in Wien gaaanz, ganz viel Sissy findet, obwohl die Kaiserin ja die Stadt nicht einmal gemocht haben soll. Ich mag Wien. Ich mag aber auch Berlin, Dresden und Ortrand. Ich mag Bad Liebenwerda und Finsterwalde. Und Sarajewo. Und Dubrovnik und Paris. Bordeaux sowieso. In vielen dieser Städte wird mein (Vor-)Urteil bestätigt, in anderen nicht. In manchen sucht man regelrecht danach, wie in London nach der Telefonzelle in rot, fürs Handy-Selfie-Bild.

Destinationen und insbesondere Städte gibt es tausende, aber nur diejenigen sind erfolgreich, wenn sie ihre Eigenheit oder auch gefundenes Thema so erfolgreich kommunizieren, dass es sich in die Köpfe der Gäste und Einheimischen einprägt.

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