Hmm. Ich atme tief ein. Meine Atemwege fühlen sich von innen so was von erweitert an. Ich laufe wieder mal durch einen Eukalyptus-Wald – oder besser, eine der zahlreichen Eukalyptus-Wald-Plantagen. Ist nicht einheimisch, sondern der Eukalyptus stammt aus Südamerika, aber die Bäume verströmen einen sehr sehr intensiven Duft. Ich wünschte, überhaupt, ich könnte die Düfte für euch aufnehmen, die der Camino so mit hat. Nun, den “Duft” eines muffigen Schlafsaales oder der Schuhe und Socken der Pilger nach mehreren Kilometern pro Tag meine ich hier nicht. Auch das gehört dazu. Ich meine den Duft der unendlich vielen Rosen am Weg, die Gerüche von Schaf, Kuh, Pferd, je nach Gegend. Den Geruch der Landschaft nach dem gerade aufgehörten Gewitterschauer. Und den wunderbaren Duft von frischem Brot mit Olivenöl. Himmlich. Also, so bald es Duft-Fernsehen gibt, geh ich den Camino noch mal. Aber nun genug geduftet.

Die letzten Tage waren ein reichliches Auf- und Ab. Im wahrsten Wortsinnne. Zuerst war da diese eigenartige Nacht, in der ich Loslassen gelernt habe. Irgendwie hatte ich reserviert, eine Herberge, die im Internet ganz gut aussah. War sie optisch auch. Sie lag etwas außerhalb des Dorfes, das sehr sehr verlassen war – und es war schon seltsam, dass es keine Ausschilderung gab. Als ich dann doch mit Hilfe der App und Navigation die Herberge gefunden und nach einigem Suchen tatsächlich Stimmen hörte… Es war schon 19 Uhr und ein Gewitter war ziemlich deutlich im Anmarsch. Wurde ich harsch angeraunzt, weil ich in meiner Vorfreude vergessen hatte, die Maske aufzusetzen.

Ansonsten: Kennt ihr das? Wenn euch Leute, behandeln als wäret ihr behindert, weil sie denken, du verstehst die Sprache nicht. Also, ich versteh ja nicht alles, aber die übliche Herbergskonversation in einem handelsüblichen Spanisch vorgetragen, die bekomme ich schon in meinen Kopf. Nun. Mir wurde mein Bett gezeigt und sonst nichts, nur, dass Pedro zuständig ist. Zwischen den Sätzen, wurde immer mal unvermittelt von der resoluten Dame des Hauses (Kittelschürze!!) “Pedro!”, gerufen. Dann wieder ein Satz – denn sie telefonierte zwischendurch auch noch. “PEDROOOO!” Und dann immer wieder ein resignierendes “No hay Pedro”.

Das wiederholte sich mehrmals. Hatte was von Slapstick. Jedenfalls war ich froh, als sie dann endlich ging und ich die Herberge erkunden konnte. Ich war nämlich ganz alleine. Hab ein bisschen gewartet, aber “No hay Pedro”. Der ominöse Pilgerbetreuer hat sich nicht gezeigt. Auf jeden Fall durfte ich duschen, das andere war schon schwieriger. Weil “No hay Klopapier”. Es war aber eben auch schlagartig keiner mehr da, den ich nach welchem hätte fragen können. Na, egal. Ich entschied, selbst Herbergsvater zu spielen, mir den Pilgerstempel selbstständig in den Pass zu stempeln und das Geld auf dem Tisch zu deponieren.

Ich legte mich hin und das Gewitter kam. Mit aller Wucht – wirklich es rumpelte und schaukelte, und ich hatte das Gefühl, dass das Bergdorf Blitz und Donner immer wieder zurück holte. RUMS. Strom weg. Irgendwo begann ein Alarm zu heulen.

Schien niemanden zu interessieren. Sintflutartiger Regen. Ich stand noch mal auf, weil ich doch gucken wollte, ob irgendwo was brennt. War aber nicht. Während ich so mit dem Handy alles ableuchtete, stellte ich fest: DAS GELD WAR WEG. Krass. Da hat sich Pedro wohl doch rein geschlichen, aber offenbar hat er mir eine eigenständige Pilgerkompetenz zugesprochen, so dass ich wohl keiner Betreuung bedurfte.

Und ich konnte nicht schlafen. Es war schon ein Uhr. Und ich habe abwechselnd überlegt, was nun Sache ist. Und dann habe ich erkannt. Alles gut. Es ist trocken, ich habs warm. Und alles andere kann ich regeln. Morgen gehts weiter. Los lassen. 

Morgen gings tatsächlich weiter. Ich stiefelte durch mystische Landschaften, wunderschön. Wenn ich jetzt nicht selbst hunderte km durch Galicien gelaufen wäre, hätte ich von den Ausblicken her, diese Landschaft in Südengland verortet. Hohlwege, weite Felder, viele echt schattige Abschnitte durch dichte Wälder. Immer wieder Flusstäler, mit unzähligen bunten Wildgräsern bewachsene Wegesränder, dicke, urige, moos- und efeubedeckte uralte Eichen und Esskastanienbäume. Malerisch. Landschaftlich für mich das schönste Stück Jakobsweg.

Die Legende sagt, dass mindestens 100 km zu Fuß zurück gelegt werden müssen, um die Absolution in Form der Pilgerurkunde zu bekommen. Demzufolge fangen einige pragmatisch veranlagte Menschen eben genau bei Km 100 an. Das sind dann viele. Wirklich viele. An sonnigen Tagen hatte ich zuweilen das Gefühl in einer Art riesen Ballermann-Wolke zu spazieren. Lärm, Musik und in jeder Bar am Weg gibts nicht nur Cerveza sondern auch Sangria. Abends in den Herbergen: Party bis .. Das ist ok. Ich mag das auch manchmal. Andererseits genieße ich den Weg auch gerne alleine und bediene damit meine Zurückgezogenheit.

Aber sooooo schlimm, wie vor Corona ist es in diesem Jahr wohl nicht. Und es ist auch – nach meinen ersten Erfahrungen mit riesig vielen Massen, einfach, die Massen zu umgehen. Antizyklisch reisen habe ich gemacht. Immer in irgendwelchen Mini-Dörfern absteigen und nicht den üblichen “Etappenhinweisen” der Apps oder Reiseführer folgen. So habe ich tatsächlich auch eine Nacht alleine in einem Zimmer verbracht – in einer Herberge, die auf dem platten Land war. Ich habe mein T-Shirt, meine Socken usw. gewaschen und raus gehängt. Als ich die Sachen trocken von der Leine nahm, “dufteten” sie nach Kuhstall. Ich saß draußen, auf der Terrasse bei Wein und lecker Käse – als ein Traktor anhielt. Motor lief. Raus sprangen zwei junge Männer in Gummistiefeln, die erst mal ihr Pausenbier dort in der Herberge tranken. Die gesamte Zeit lief der Traktor am Straßenrand.. Dorf eben.

In Melida habe ich dann Pulpo-Krake gegessen. Die Ansprache war sehr interessant, und das ist auch mein Marketinghack heute für dich:
Der Typ auf dem Bild  – der hat es echt drauf. Denn, er hat all das ausgemerzt, was ich als wichtigste Fehler bezeichne, wenn du in die Sichtbarkeit kommen willst. Das ist Pulpo – Krake – eine galizische Spezialität. Ich pilger so vorbei – und er so: “Hey magst du Pulpo?”. Ich so: “Ne. Bin gerade 25 km gelaufen, mein Rucksack ist schwer, ich stinke und brauche eine Dusche.” Er so: „Natürlich, aber magst du jetzt probieren?“ Ich: „Ach, lass mal.“ Er: „Komm. Es ist wirklich lecker, und du solltest diese Erfahrung machen.“ Ich: „Ok.“ Er gibt mir ein Stück von dem Krakendings – es schmeckt wirklich gut. Er gibt mir seine Karte und meinte: Freue mich, dich nachher wieder zu sehen. Was meinst du, wo ich zu Abend gegessen habe?

Wenn es dir auch so geht, du bist erfahrener Experte und hast profundes Wissen und keine Lust, deine Leistungen anzupreisen, wie Sauerbier?

Er hat das ganz charmant gemacht und ich habe mich keineswegs bedrängt gefühlt.

Und: Wer soll von dir kaufen, wenn es keiner weiß, was du machst? Keine Kostprobe??? Keine Ansprache. Kein Kunde.

Genau das ist das, womit ich meinen Kunden helfe. Superpower ➡️ unwiderstehliches Angebot ➡️ Kunde kauft. Happy Flow. 🍀🏝😊

Ja dann habe ich also Krake probiert. Und war dann wieder bei meinem üblichen Arbeitstag in der Pension, die von zwei resoluten Damen geführrt wird. In Melide. Sie betreiben “nebenbei” noch ein Café mit leeeeeckerr Schokolade und Churros. Diese Teig gebäcke. Ach, ungesund, aber so was von lecker. Die Schokolade in Spanien ist eher wie Pudding und ein Traum.

Nun bin ich auf der letzten Station vor Santiago. Irgendwie komisch, kurz vor dem Etappenziel zu sein. Es ist ja nicht mein Ziel, denn das liegt weiter hinten, am Meer. Am Ende der Erde, Finisterre. Bin da mal gespannt drauf. 

Aber ich hoffe, bald den Apostel umarmen zu können und wer weiß, vielleicht gibt es sogar Weihrauch. Auch so ein Duft. 

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2021-06-18T14:50:46+00:00
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