Leben ist nicht da um gedacht zu werden. Leben ist da, um gelebt zu werden. – Kurt Tepperwein im Interview | Teil 2

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Hier ist Teil 2 unseres großen Interviews mit Kurt Tepperwein. Den ersten Teil findest du hier!

Jana Wieduwilt: Es gibt jetzt so viel Sachen, wo gesagt wird, leiste Vergebungsarbeit.

Kurt Tepperwein: Auf keinen Fall. Sie sollten nie jemanden vergeben. Das ist nur eine menschliche Tugend scheinbar. Wem könnten Sie denn vergeben? Sie könnten nur dem vergeben, den Sie zuvor verurteilt haben. Wenn Sie nicht mehr urteilen. Wenn Sie sagen: „Der Mensch ist so. Und der ist so.“ Was sollen Sie ihm vergeben? Sein SoSein?

Jana Wieduwilt: Stimmt.

Kurt Tepperwein: Erst der Verstand sagt: „Der ist gut. Der ist aber gar nicht gut.“ Jetzt kommt die menschliche Tugend und sagt: „Du bist ein schlechter Mensch, aber ich vergebe dir.“ Und da fühlen wir uns gut. Das ich fühlt sich dann ganz großartig an. Das klopft sich auf die Schulter. Aber in Wirklichkeit haben Sie ihn vorher verurteilt. Wenn Sie ihn nicht verurteilen, haben Sie keine Verwendung für Vergebung. Was sollen Sie dem vergeben?

Jana Wieduwilt: Das ist absolut logisch. Und ich habe jetzt dann noch eine Frage zum JETZT. Ist es dann nötig den Körper gesund zu ernähren, zu trainieren, um für genügend Abwehrkräfte zu sorgen. Im JETZT kann es ja demzufolge auch keine Krankheit geben? Oder habe ich das nicht richtig verstanden?

Kurt Tepperwein: Was ist Krankheit? Schauen wir das erstmal an. Krankheit ist keine Krankheit, sondern Krankheit ist eine Botschaft. Wenn ich aber im JETZT die Gesetzmäßigkeiten des Lebens wahrnehme und befolge, welche Botschaft sollte mir das Leben schicken? Das ist genau wie bei Ihrem Auto, wir haben alle schon erlebt, dass die Öl-Kontrolllampe aufleuchtet oder das der Kraftstoff-Anzeiger in den roten Bereich ging. Und dann wussten wir JETZT ist Zeit, JETZT muss ich tanken, JETZT muss ich nachfüllen. Aber wenn Sie rechtzeitig alles wahrnehmen im JETZT, Sie sehen die Inspektion ist dran, dann kontrollieren Sie den Ölstand und füllen nach. Mein Ölstand-Anzeiger der ist schon wieder auf Halbvoll. Da kann ich noch ein paar hundert Kilometer fahren. Okay da vorne ist eine Tankstelle und ich fahre vorbei und tanke gerade. Das heißt, wenn Sie alles rechtzeitig tun, in ihr Auto niemals irgendeine Botschaft schicken und genauso macht es der Körper. Wenn Sie im hier – im JETZT – seine Bedürfnisse wahrnehmen, JETZT brauch er was zu trinken. Ich habe schon drei Stunden nichts mehr getrunken und dann sollte ich was essen. Es ist schon spät, ich sollte – solange wir in der Zeit sind – ist es spät. Wenn Sie wahrnehmen merken Sie: „Ich bin nicht mehr voll leistungsfähig, mein Körper der braucht jetzt mal eine Pause.“ Okay. Dann lege ich mich ein bisschen schlafen. Wenn Sie alles rechtzeitig tun, welche Botschaft sollte ihnen der Körper schicken. Krankheit als Lehrer wird dann nicht mehr gebraucht werden, das kommt nicht mehr vor.

Jana Wieduwilt: Das macht Sinn.

Kurt Tepperwein: Das ist das wahre Leben. So ist es eigentlich gedacht. Alles andere ist die Dummheit des Ich.

Jana Wieduwilt: Aber jetzt kommt wahrscheinlich wieder eine sehr seltsame Frage. Aber ist denn dieser Weg, also wir sind als Kinder im JETZT, wir sind als Kinder dieses reine Bewusstsein. Dann werden wir zum ich mit all diesen Ego-Dingen, die passieren. Jetzt lernen wir langsam wieder. Zumindest kann ich das für mich sagen. Jetzt lerne ich langsam wieder, okay, wo komme ich eigentlich her, wer bin ich wirklich.

Das JETZT, also was ich jetzt wieder von ihnen lernen darf. Ich lerne das jetzt, ist das der Plan oder ist das ein versehentlicher Unfall, dass wir zwischendurch ins ich rutschen, wenn wir dann aus dem Paradies des Kindseins herausgehen. Ist das geplant, oder?

Kurt Tepperwein: Wenn wir zur Welt kommen, gibt es ja kein Ich. Das Kind weiß gar nicht, dass es existiert. Das schaut nur in die Welt und versucht sie, zu verstehen. Es kennt ja nichts davon. Da kommt ab und zu mal ein Wesen, das beugt sich über es und das erkennt seine Bedürfnisse, das wechselt die Windeln. Das gibt ihm was zu essen oder zu trinken. Und mit der Zeit erkennt es, dass es ein gutes Wesen ist. Es tut mir gut. Ja, irgendwann später erkennt es, das ist meine Mutter. Und das ist mein Vater und das sind meine Geschwister. Wir müssen erst einmal die Welt lernen. Wir wissen ja nichts davon. Und irgendwann erkennen wir, dass es uns gibt. Und zwar oder wir erkennen sogar, dass wir Einfluss haben auf die Welt. Das wir hier was verändern können. Wenn wir schon wach wären, würden wir sagen, wir erkennen uns als Schöpfer. Nehmen wir an, sie sind drei, vier Monate alt. Sie liegen in ihrem Bettchen. Und auf einmal erscheinen da so kleine Zappelmänner vor den Augen. Und sie sagen, was ist das denn? Jetzt sind sie wieder weg, komisch. Was war das? Habe ich noch nie gesehen. Und irgendwann mit der Zeit entdecken Sie, „ich kann machen, dass die Fingerchen kommen. Und ich kann machen, dass die verschwinden. Ich habe hier einen Einfluss auf die Welt. Ich kann etwas in Erscheinung rufen und kann etwas auflösen, was in Erscheinung ist.“

Das ist die erste Begegnung mit unserem Schöpfersein.

So entdecken wir allmählich uns. Und wie gesagt als Kinder sind wir andauernd im JETZT. Aber dann kommen die Eltern eben und sagen, JETZT ist es Zeit für die Hausaufgaben und JETZT ist es Zeit für und du hast wieder die Zeit vergessen. Mach dich fertig für die Schule. Und wasch dich für zu Bett gehen. Hast du die Zähne geputzt und auf einmal trägt die Umwelt Zeit an uns heran. Und anfangs sind wir noch im JETZT.

Aber da gibt es ein paar Termine, um halb eins gibt es essen. Und dann muss ich in die Schule. Und dann ist die Pause und dann ist die Schule aus. Und dann kommen immer mehr Zeitpunkte in unser JETZT und auf einmal, wir merken es gar nicht, sind wir ganz in der Zeit. Dann ist das Ganze mit Zeitpunkten ausgefüllt, mit Terminen, mit Dauer und so weiter. Und dann sind wir glücklich im Ich und an Zeiten nicht glücklich, unglücklich im Ich, in Zeit angekommen.

Und irgendwann machen wir den Schritt vom Erwachsenen zum Erwachten.

Und machen diesen Prozess wieder rückgängig und kommen erst in der Meditation mal aus der Zeit raus und sind plötzlich in der Zeitlosigkeit oder wir können uns irgendwo, gibt es die Gelegenheit in ein Bad zu legen, in ein Salzbad, dass uns trägt, da ist es dunkel. Wir brauchen uns nicht bewegen, wir müssen nicht schwimmen. Wir sind schwerelos in diesem Salzwasser. Und dann verschwindet ganz voll selbst die Zeit. Sie haben keinerlei Vorstellung, sie liegen eine Stunde normalerweise da drin. Aber ob das jetzt drei Minuten waren oder drei Tage, können Sie nicht sagen, Sie sind wieder im JETZT.

Wir machen vorübergehend immer wieder mal, sprich in der Meditation, die Erfahrung der Zeitlosigkeit und irgendwann erkennen wir, das ist eigentlich mein natürlicher Zustand. Das andere ist angelernt, eingeübt, eingetrichtert. Das bin ich gar nicht wirklich.

Wer bin ich denn wirklich? Ich brauche gar keine Zeit und ich brauche auch gar keinen Verstand. Ich habe die Wahrnehmung, und bin im JETZT und mehr brauche ich nicht. Auch nicht in den Aufgaben bei der Arbeit oder den Aufgaben des Alltags. Ich bin den Aufgaben viel besser gewachsen, wenn ich im JETZT bin und tue das, was JETZT zu tun ist. Dann wird nämlich alles erfüllt, was JETZT erfüllt werden muss.

Jana Wieduwilt: Ich denke es ist die Lebensaufgabe, uns selbst wieder zu erkennen als Bewusstsein. Das ist unsere Erfahrung. Wir wollen über den Umweg zurück in dieses Bewusstsein, das wir sind. Und gibt es dann trotzdem so etwas wie eine Lebensaufgabe oder einen Seelenplan. Gibt es so etwas? Oder ist das auch eine Illusion?

Kurt Tepperwein: Wer könnte uns das aufgegeben haben? Der liebe Gott oder der Abteilungsleiter oder das Schicksal? Wo soll das herkommen? Nein, wir kommen hierher mit einer bestimmten Absicht und diese Absicht, die Grundabsicht ist für alle gleich. Das heißt, wir sind zu Hause alle vollkommen.

Wir sind vollkommenes, ewiges Sein.

Wir kennen keine Zeit, keinen Tod, keine Krankheit, wir sind einfach vollkommen, aber irgendwann wird uns bewusst, dass wir nicht wissen, was das ist: Vollkommenheit. Weil wir kein anderes Sein kennen.

Wenn alles vollkommen ist, wir haben nicht mal ein Wort für Vollkommenheit, sondern das ist so. Wenn ich mir aber dessen bewusst werden will, dann brauche ich den Spiegel der Unvollkommenheit. Und dann suche ich mir eine Welt aus, die ganz ideal die Erde ist, die Welt der Dualität. Da gibt es zu allem auch das Gegenteil. Jetzt gibt es zu Vollkommenheit, auch Unvollkommenheit, sehr schön.

Jetzt kann ich im Spiegel der Unvollkommenheit meine eigene Vollkommenheit erkennen.

Aber wenn ich hierher komme in meiner natürlichen Vollkommenheit, dann würde ich mich gar nicht auf die Unvollkommenheit einlassen. Ich würde kurz in den Spiegel gucken und sagen, das ist ja fürchterlich diese Unvollkommenheit, also hier bin ich ganz falsch. Hier brauche ich nun wirklich nicht zu sein. Das tue ich mir nicht an.

Und dann würden wir sofort wieder nach Hause gehen. Und damit wir uns auf diese Unvollkommenheit einlassen, vergessen wir unsere Vollkommenheit vorübergehend.

Und jetzt haben wir gleichzeitig zusätzlich die Chance sie Schritt für Schritt wieder zu erinnern und zu erfahren, zu erleben. Und mit der Zeit erkennen wir, ich brauche gar nicht vollkommen werden, ich bin das schon. Ich muss nur meine eingebildete Unvollkommenheit loslassen. Und so lasse ich eins nach dem anderen an Unvollkommenen los, was ich so angenommen habe.

Ja als Mensch in der Illusion und wenn ich das letzte Unvollkommene losgelassen habe, erlebe ich meine Vollkommenheit, vollkommen. Dann bin ich wieder bei mir selbst angekommen, aber jetzt habe ich es ERLEBT. Jetzt WEISS ich, was Vollkommenheit ist. Jetzt habe ich die lebendige Erfahrung in mir. Das war meine Lebensabsicht. Und deswegen bin ich gekommen und jetzt habe ich die erfüllt und jetzt kann ich meine Schulzeit beenden, kann wieder nach Hause gehen. Jetzt bin ich nicht vollkommener als vorher und ich war ja vollkommen, vollkommener geht nicht. Aber jetzt bin ich bewusst vollkommen.

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