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Meine Scheiterstory in der Corona-Krise!

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Ich war die letzten Stunden richtig auf der roten Linie.

Kennst du die rote Linie? Die ist dick gezeichnet wie die Raucherlinien der deutschen Bahn und beinhaltet Selbstmitleid, Jammertal, Ungerechtigkeit und Aufregung. Ich wälze mich auf und innerhalb dieser Linie und bedaure mich selbst. Mich selbst zu umarmen fehlt mir die Kraft. 

Seit Wochen schindere ich wie .. verrückt und es passiert einfach NÜSCHT. Geht zu langsam. Corona hat mein Unternehmen durchgeschüttelt und gerüttelt. Das fand ich gar nicht so schlimm, weil wir sowieso umstellen wollten. 

Und jetzt ist schon seit gut drei Monaten Corona und… NÜSCHTE. GAR NÜSCHTE. Außer Arbeit. Krass. Oder?

Ich bin einfach müde. So richtig müde. 

Und nörgelig. Ich nörgele Jörg an. Männer lest mal weg, es ist als ob meine Hormone so richtig bekloppt spielen in gewissen Tagen. Und dann.. 

So! Jetzt habe ich erst mal die Tür zugeworfen. Und habe vorher noch geschnautzt: “Alles muss ich alleine… ach, leck mich doch … “ 

Und schritt hoheitsvoll, wie seinerzeit der Kaiser davon. Fest entschlossen, den ganzen Käse hinzuschmeißen. Emotionaler Tiefpunkt. 

Ich setze mich in Bewegung und heule vor mich hin. Passend zum Regenschauer. Gottseidank, es ist fast dunkel draußen, so kann ich in Ruhe heulen. Ziehe die Nase hoch. Meine Güte, so benimmt man sich doch nicht, ich bin keine drei Jahre. Eher ein paar Jahrzehnte drüber. 

Allerdings hätte ich große Lust, mich auf den Boden zu werfen und darauf zu warten, dass Mama mich einfach tröstet. Keiner da. 

Mist! Mit den Schritten beruhige ich mich etwas. Mein umnebelter Verstand wird klarer. “Was ist denn da los?”, frage ich mich. Ich beschließe, zu handeln. Erst mal suche ich ein Taschentuch. Gesicht und Nase sauber. 

So, ups, wie bin ich denn hierher gekommen? Die Wut trägt nur ein kurzes Stück, dann ist Absturz.

Boing. Das tat weh. 

Ich war ungerecht. Aber verflixt. Die ganze Last der Welt liegt auf meinen Schultern. “Tut sie nicht”, mischt sich eine andere Stimme ein. “Ach, du schon wieder,” meckere ich. Meine kritische innere Herzens-Stimme ist wieder da. Monkeyminds Gegenspieler. Monkeymind ist mein Verstand. Der will Jammern. Dabei muss er nicht denken und sich nicht verändern. Monkeymind will immer in den Energiesparmodus zurück. Und jetzt mischt sich dieses Herzstimmchen ein. Es bleibt sachlich und ich trete einen Schritt zurück und höre den beiden mal zu.

“Ist doch wahr, alles hängt an mir!”, schimpft Monkeymind.

“Das stimmt doch wirklich nicht. Du hast ein geniales Team, eine großartige Familie. Du gefällst dir doch in der Opferrolle”, setzt Herzstimmchen noch eins drauf. 

Monkeymind: “Grrrrr.” Herzstimmchen: “Ja, jetzt fehlen dir die Worte!”.

Bevor sich die beiden in meinem Kopf gegenseitig die neuronalen Bahnen um die Ohren hauen, gebiete ich Einhalt. “Klappe halten, ich muss nachdenken”! Ups, das war wohl etwas laut. Das Ehepaar, das mir gerade entgegen kommt, schüttelt im Gleichtakt den Kopf. Als sie auch noch gleichzeitig alle vier Augenbrauen zieeeemlich hoch ziehen und “Ts.ts.ts” murmeln, ist es vorbei. Ich schaffe es gerade so, das Lachen zurück zu halten, bis sie um die Ecke biegen, um dann schallend laut los zu lachen, zu schön sah die synchrone Verwunderung des Paares aus. 

Das Lachen ist wie eine Lösung der Anspannung der letzten Wochen. Es ist beinahe wie eine innere Explosion. Ich habe einen Lachflash. Geht überhaupt nicht mehr aufzuhören und mir ist gerade so was von egal, wer hier noch den Kopf schüttelt. Mein Zwerchfell bebt, ich muss mich am Baum festhalten, sonst falle ich um. Alles löst sich und ich lache es weg. Die ärmsten Senioren. Ich lache über mich. Nicht über sie. 

Dabei hole ich offenbar seit Wochen mal wieder tief Luft und pumpe nicht nur Sauerstoff in die Lunge sondern auch ins Gehirn. Wahnsinn, was eine Belüftung des Denkapparates so ausmacht. Bin augenblicklich klar, nachdem ich vor Erschöpfung nicht mehr Lachen kann.

Ich WOLLTE das Business sowieso umstellen. Dass uns ein paar (einige viele) Aufträge mit Beginn der C-Krise abhanden gekommen sind, war nur die Aufforderung vom Universum, ENDLICH eine klare Entscheidung zu treffen. 

Mein Team ist großartig und leistet jeder auf seine Weise so unglaublich viel! Und ich selbst: Habe in den letzten Wochen mehr gelernt als in den Jahren davor! Fakt! Und was haben wir alles geschafft? Mein Buch ist fertig. Meine Online-Produkte fertig. Ich habe ein großartiges Netzwerk. Gerade  möchte ich am liebsten vor Ehrfurcht selbst den Hut vor uns ziehen. Naja, lieber nicht. Lieber in Demut dankbar sein.

Und nun?

Ich verlasse den Ort meines Lachflashs und gehe langsam zum Ort des Meckerns zurück. Dabei überlege ich, was hier gerade läuft. 

Wir stellen gerade die ganze Wieduwilt Kommunikation auf den Kopf, schütteln kräftig und stellen sie wieder auf die Füße… Im Grunde ist es ein komplett neues Business, was wir gründen. Komplett NEU! 

Und warum um HimmelsWillen erwarte ich, dass es nach zwei Monaten reibungslos läuft? Gehts noch?

Ich ziehe am Gras. Aber dann wächst es auch nicht schneller. Im Gegenteil, wenn ich zu doll ziehe, reiße ich entweder was ab oder gar die Wurzeln raus. Ne. Meine Aufgabe ist:

Samen säen, ordentlichen Boden bereitstellen, gute Wachstumsbedingungen schaffen, gegebenenfalls düngen, kräftig gießen. That’s it. 

Also, ich betrete kleinlaut die Wohnung. Öffne leise die Tür. Da steht Jörg mit einem Glas in der Hand. Er lächelt. “Anstoßen?” “Ja, aufs Scheitern zwischendurch! Das macht ge-scheiter”

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