Der Weg gibt, was du brauchst und manchmal auch, wenn du nicht danach fragst.

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Manchmal ist es gut, nicht zu wissen, was der Tag bringt. Da pilger ich frischfröhlich von León los und denke mir nichts weiter dabei – und dann gehts los: erst muss ich heulen, wegen einer Rose, die mich an was sehr Persönliches erinnert hat und dann hab ich meine Lektion bekommen: ACHTUNG, Ironie: Jana, wisst ihr. Jana ist ja schlau. Und plant vor, so dass es alles einigermaßen passt. Nur nichts dem Zufall überlassen. 

AUTSCH. Nur nicht loslassen und den gelben Pfeilen folgen, wie alle anderen. Also, ich konnte, wie oft auf dem Jakobsweg nachts nicht schlafen und habe bissel online recherchiert. Der Weg, der von León raus aufs Land führt, geht an einer stark befahrenen Straße entlang. Kilometerweite Einöde begleitet von vorbeirauschenden lärmenden LKWs. 

Aber nicht mit Jana! Ich entscheide also, eine Nebenvariante des Weges zu gehen. Angeblich auch mit schönen Herbergen ausgestattet. Normalerweise. 

Ich geh also fröhlich den Nebenweg und denke mir, wirst doch mal vorsichtshalber ein Bett in der Herberge reservieren. Aber. Pustekuchen. Die Herberge Nummer eins hat zu, Nummer 2 – 6 auch und Nummer 7 hat nur Doppelzimmer für 70 Euro. Ist natürlich nicht die Idee. 

Also, ich schnaufe. Zurück zur Weggabelung. Gute 3-4 km Umweg. Latent sauer finde ich den “richtigen” Weg und gehe Podcast-hörend an dieser lauten Straße lang. Du verstehst deine eigenen Gedanken nicht. Ja, der Camino kann auch bös sein. Dazu kommt meine blöde Blase, die mich so einen Hinkegang laufen lässt. Ungefähr so: Rechts – plopp. Rechts – plopp. Mein linker Fuß, setzt immer mit einem lustigen PLOPP auf. 

Rechts geht normal. Daher irgendwie so Rechts – PLOPP. Naja, hört keiner, die LKWs sind ja so laut. 

Aus irgendeinem Grund sehe ich nicht einen einzigen anderen Pilger. Naja, bin ja auch spät dran. Endlich. Ein Dorf in Sicht. Hach, wie gut. Laut meiner Information gibt es hier eine öffentliche Herberge. 

Ich entschließe mich, weil ich die Herberge irgendwie nicht finde, auf der Plaza (sprich Plaßßßßßa mit megascharfem s) einzukehren, konsumiere für unglaubliche 1,10 Euro ein Wasser und bekomme dazu ein Tapas, telefoniere kurz mit Prosper aus Afrika – und frage beiläufig die Bedienung nach der Herberge in dem Dorf. “Die hat zu.” WAS? Ich kann nicht mehr. Ich bin ausgelaugt, die Straße geht mir auf den Keks und außerdem habe ich einen Termin mit einem Kunden nachher. Meine Füße tun weh und alles andere auch. 

Jetzt ist aber Schluss. Ich bin doch nicht zum Sport hier. 

Also. Ein Bus muss her. Ich frage die Bedienung, ja, es gäbe wohl einen Bus, aber wann der fährt weiß sie nicht. Nun gut. Ich gehe in die andere Kneipe in dem Dorf. 

Da bekomme ich die sehr unfreundliche Ansage, ich solle gefälligst an der Haltestelle gucken, wann der Bus fährt. Haha. Hätte ich getan, wenn ich a) die Haltestelle entdeckt hätte und b) auch in der Gegenrichtung – deren Haltestelle ich gefunden habe, ein Fahrplan hängen würde. 

Na gut. Ich, wieder ins Dorf. Tienda – Mini-Supermarkt. Ich erstehe ein Wasser und bekomme die Aussage. Keine Ahnung. Es gibt wohl Busse, aber man weiß nicht, wo und wann. OK. 

Ich frage noch ein paar Leute. Natürlich keine Ansage. Also entschließe ich mich, weiterzuhumpeln. 

Bis zum nächsten Dorf mit (angeblicher) Herberge 5 km. Na gut. Ich laufe durch das Dorf, endlich etwas Ruhe, weil abseits der Straße. 

Und dann komm ich wieder auf die Schnellstraße, wo soeben der BUS an mir vorbeifährt. Da muss ich erstmal kurz heulen. 

Aber das nützt mir ja auch nichts. Ich laufe. Das Mädchen aus dem Benin, das mir Prosper in dem Videotelefonat eben vorgestellt hat, läuft pro Tag 15 km EINFACH, um eine Lehre zu machen, bei der sie keinen Pfennig verdient. Und ich heule rum, weil ich mal 27 km laufe. 

Nun, ihr könnt es euch sicher denken, sonst würde ich wohl nicht bloggen: Die Herberge hatte auf und es war – naja, schaut selbst. Eine typische Pilgerschlafstätte in einem Schnarchsaal. War ok. Ein Bett. Es ist noch wirklich kalt Nachts und ich habe die Funktion eines Schlafsacks entdeckt. Mein dünner Sommerschlafsack ist deutlich wärmer, wenn ich ihn nicht als Zudecke sondern Schlafsack nutze. Nun. Es ging. Denn Decken gab es da nicht. Habe mich mit Handtuch und meiner Kuscheljacke noch zusätzlich zugedeckt. 

Früh bin ich dann los und war heilfroh, dass ich meine Windjacke und die Mütze dabei habe: Es ist morgens recht knackig mit 7 Grad. Habe die 7 km an der Schnellstraße gut überstanden und dann auch die wunderbare Stille auf der ENDLICH nahezu verkehrsfreien Nebenstraße sehr genossen. 

Am ersten Stop hatte ich wirklich Lust auf Kaffee und ein “Teilchen” und da kam der Camino wieder um die Ecke: Irgendwas an diesem Ort schien mich umzureißen. Heulkrampf. Ich ließ die Tränen einfach laufen, weil mich dort etwas sehr sehr sehr an eine frühere Phase meines Lebens erinnerte. Es war, als wäre ein Damm gebrochen. Ich saß heulend in dem Café-Garten in der Sonne und konnte fast nicht mehr aufhören. Aber es war irgendwie extrem schmerzhaft, aber gut. Mein Herz fühlt sich so weich an. Was macht dieser seltsame Camino? Ich bin ja sonst meilenweit weg vom Wasser gebaut. Nun, jedenfalls heulte ich mich aus. 

Und ging dann weiter, wo mich noch zwei weitere Schnief-Tränchen ereilten. Dann war irgendwie gut. 

Seltsam. Aber ich habe ja nun wieder gelernt, dem Camino zu vertrauen. Für irgendwas wird es schon gut sein. 

Anschließend bin ich gelaufen. Und war so auf einer stillen Landstraße, ich keuche einen Berg hoch und da kehrt jemand zu lauter Musik den Vorhof des einzigen winzigen Häuschens weit und breit. “Buen Camino” ruft er. Und ob ich nicht einen Wein wolle. Herrje, es ist 10 Uhr. Er lockt mich mit “Bio” und irgendwas zieht mich rüber zu José. 

Er hat das Gebäude gekauft und ist ein typischer untypischer Pilger-Bruder mit einer wunderbaren Story. Ein Künstler, geboren in Portugal, aufgewachsen in Frankreich, 30 Jahre durch die Welt gezogen, als Pianist und Dichter. 

Vor einigen Jahren ging er den Jakobsweg, traf die Liebe seines Lebens und zog mit ihr nach Mitteleuropa. Fünf Jahre hielt die Pilgerbeziehung. Und dann: Nun, irgendwas zog den wettergegerbten drahtigen Mann mit den langen Haaren nach Süden. 

Zurück auf den Camino. Dann fand er dieses kleine Anwesen. Ein Schuppen, kaum größer als eine Garage und eines der typischen Keller, in denen Sommer wie Winter die gleiche Temperatur herrscht. Ideal. José zeigt mir nach dem ersten Wein alles, seine Ideen, seinen Wein- und Lagerkeller und seinen Garten, der bald ein kleiner Zeltplatz sein wird. Ich verspeise seltsame Früchte und leckere Wurst. Und dann beim fast 3. Wein, entscheide ich, doch weiter zu gehen. Sein Haus, das heißt “Over the hill” – ja, weil man bei José tatsächlich übern Berg ist. So ging es mir – im doppelten Sinne. Von dem Weltschmerz des Morgens ist nichts mehr zu spüren. 

Kann auch am Wein liegen, ok. Aber das glaube ich nicht. José jedenfalls lebt mit seinem Hund ohne Strom und Internet – offensichtlich extrem relaxed und glücklich. Kein Wunder: Der Mann sammelt Kleeblätter, vierblättrige. Von allen seinen Reisen durch Europa hat er sie mitgebracht. Er zeigt mir alle – hübsch einlaminiert und gerahmt. Es sind hunderte. Und er schenkt mir zum Abschied etwas ganz besonderes: ein fünfblättriges Kleeblatt:) Überglücklich ziehe ich von dannen, um mich nochmal zu verlaufen und wieder auf der Schnellstraße zu enden. Durch die inzwischen kräftige spanische Mittagshitze schlurf-schlappe ich an der Schnellstraße lang. Ärgert mich kurz. Aber die Tiefen des Lebens sind ja notwendig, um die Höhen zu erkennen. 

Dabei trage ich übrigens die ganze Zeit meine Kuscheljacke. Warum? Weil ich heftigen Sonnenbrand auf den Armen habe – selber schuld – und ich kein langärmeliges T-Shirt mehr habe. Das hab ich in der ersten Pension aus Gewichtsgründen aussortiert. Dumm gel… Nun, ich schwitze mich heldenhaft durch die Mittagshitze, um nicht noch mehr Sonnenbrand zu riskieren. 

Astorga – mein Etappenziel habe ich dann relativ fertig erreicht. Aber die Herberge ist recht schön. Ich habe mit einem jungen Mann aus Madrid ein Zweibettzimmer. Deutlich luxuriöser als gestern. Und nur 2 Euro “teurer”. Heute 7 Euro. Nun gehe ich auf die Plaza, um einen Abend-Wein zu trinken, der übrigens sensationelle 2,30 Euro kostet – inklusive Tapas. España, te quiero mucho. 

Mein Learning: Lass mal locker! “Chill ma Mama.” Und: Das Unbekannte birgt auch unbekannte Schätze, wenn man es mal lässt. (Das stammt nicht von mir, sondern von Franz. Nachzuhören im Podcast der Wieduwilt Brothers). Und das nächste: “I see you” – im Sinne von “Ich wertschätze dich – die Situation – egal wie sie ist”. – auch das gibts im Podcast von Joseph nachzuhören bei den Wieduwilt Brothers. 

Danke an dich, dass du mitliest. Ach und der Marketing-Hack heute: Mach dich unvergesslich – und gib was mit, das deine potenziellen Kunden nicht vergessen. Was, glaubst du, werde ich empfehlen, wenn es um diesen speziellen Abschnitt des Jakobsweges geht? Klar: José “Over the hill”. Was kannst du mitgeben, das nur du geben kannst? 

P.S. Wenn du so viel gibst – und denkst, jetzt endlich muss doch mal der Durchbruch erreicht sein – und trotzdem sind die Klienten noch nicht bei dir, so wie DU willst? Du hast so viel Erfahrung und irgendwie stockt dein Business. Viel zu wenig Anfragen! Es gibt eine Lösung, denn es liegt NICHT an dir, du versuchst möglicherweise die Rezepte von jemand anderem zu leben – und deshalb fühlt es sich so falsch an. Das merken deine potenziellen Kunden. Komm zu mir ins Mini-Mentoring und wir finden heraus, 

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